Handball gehört in Deutschland zu den beliebtesten Hallensportarten: Die HBL gilt als eine der stärksten Ligen der Welt, und der Deutsche Handballbund (DHB) zählt Hunderttausende Vereinsmitglieder. Trotzdem sorgen Regeln wie Schrittfehler, passives Spiel oder die Zeitstrafe bei Neulingen regelmäßig für Fragezeichen. Dieser Ratgeber erklärt die Grundlagen nach den IHF Rules of the Game (Indoor), Fassung gültig ab 1. Juli 2025, die der DHB für den Spielbetrieb übernimmt. Für Jugendspiele gelten teilweise eigene Durchführungsbestimmungen der Landesverbände.
Spielfeld, Tore und Mannschaften
Ein Handballfeld misst 40 × 20 m. Die Tore sind 3 m breit und 2 m hoch. Um jedes Tor liegt der Torraum, begrenzt durch die 6-m-Linie, die nur der Torwart betreten darf. Drei Meter weiter verläuft die gestrichelte Freiwurflinie (9 m), und auf 7 m Entfernung ist die Marke für den Siebenmeter.
Auf dem Feld stehen pro Team sieben Spieler: sechs Feldspieler und ein Torwart. Bei internationalen Top-Turnieren dürfen bis zu 16 Spieler pro Partie gemeldet werden; für die Ligen regeln die Durchführungsbestimmungen die Kadergröße. Gewechselt wird fliegend und unbegrenzt über den eigenen Wechselraum – ohne Anmeldung beim Zeitnehmer. Wer außerhalb des Wechselraums ein- oder austritt, kassiert einen Wechselfehler und eine Zeitstrafe.
Spielzeit, Auszeiten und Verlängerung
| Element | Regel bei Erwachsenen |
|---|---|
| Spielzeit | 2 × 30 Minuten |
| Halbzeitpause | in der Regel 10 Minuten (max. 15) |
| Team-Time-outs | 3 pro Spiel, max. 2 pro Halbzeit, nur 1 in den letzten 5 Minuten |
| Länge Team-Time-out | 1 Minute |
| Verlängerung (wenn Sieger nötig) | 2 × 5 Minuten, ggf. zweite Verlängerung 2 × 5 Minuten |
| Danach | Siebenmeterwerfen |
Die Uhr läuft grundsätzlich weiter; angehalten wird sie bei Time-outs und wenn die Schiedsrichter es anzeigen, etwa bei Verletzungen. Wer im Hallenspiel ohne Anzeigetafel Zeit und Stand führen muss, kann dafür unsere Online-Anzeigetafel nutzen. Einen Vergleich mit anderen Sportarten liefert unser Ratgeber zur Spieldauer verschiedener Sportarten.
Umgang mit dem Ball: Schritte, Sekunden, Prellen
Die wichtigsten Regeln zum Ballbesitz lassen sich als „Dreier-Regel“ merken:
- Drei Schritte: Mit dem Ball in der Hand darf man maximal drei Schritte machen. Mehr ist ein Schrittfehler – Freiwurf für den Gegner.
- Drei Sekunden: Länger als drei Sekunden darf man den Ball nicht halten, auch nicht im Stand.
- Einmal prellen: Nach dem Fangen darf man prellen und danach wieder bis zu drei Schritte gehen. Wer den Ball aufnimmt und erneut prellt, begeht einen Doppelfehler.
Feldspieler dürfen den Ball nicht absichtlich mit dem Fuß oder dem Bein unterhalb des Knies spielen. Der Torwart darf im eigenen Torraum mit allen Körperteilen abwehren, außerhalb des Torraums gelten für ihn die Feldspielerregeln.
Fouls und progressive Bestrafung
Im Handball ist Körperkontakt erlaubt, solange der Gegner frontal und mit dem Körper gesperrt wird. Verboten sind unter anderem Klammern, Stoßen, Halten am Arm, Schlagen auf den Wurfarm und Angriffe von hinten. Die Sanktionen steigen stufenweise:
| Stufe | Sanktion | Hinweis |
|---|---|---|
| Verwarnung | Gelbe Karte | max. 1 pro Spieler, 3 pro Team |
| Hinausstellung | 2 Minuten Zeitstrafe | Team spielt in Unterzahl |
| Disqualifikation | Rote Karte | automatisch bei der 3. Zeitstrafe desselben Spielers |
| Bericht | Blaue Karte nach Rot | schriftlicher Bericht, weitere Sperre möglich |
Bei einer Disqualifikation muss der Spieler Feld und Wechselraum verlassen; das Team spielt zwei Minuten in Unterzahl und darf danach wieder auffüllen.
Kopftreffer beim Siebenmeter
Seit der Regelfassung 2025 wird ein Kopftreffer gegen den Torwart beim Siebenmeter (wenn dieser sich nicht in den Ball bewegt) mit einer 2-Minuten-Strafe geahndet statt wie zuvor mit Rot. Das entspricht nun der Bewertung im laufenden Spiel.
Freiwurf, Siebenmeter und passives Spiel
Ein Freiwurf wird nach den meisten Regelverstößen ausgeführt – an der Stelle des Vergehens oder, wenn dieses zwischen 6-m- und 9-m-Linie lag, an der 9-m-Linie. Die Verteidiger müssen 3 m Abstand halten.
Den Siebenmeter gibt es, wenn eine klare Torgelegenheit regelwidrig zerstört wird, zum Beispiel wenn ein Verteidiger den Torraum betritt, um abzuwehren. Der Werfer hat drei Sekunden nach dem Pfiff Zeit.
Passives Spiel ahnden die Schiedsrichter, wenn ein Team im Angriff erkennbar nicht aufs Tor spielen will. Zuerst kommt das Vorwarnzeichen (erhobener Arm). Danach hat die angreifende Mannschaft höchstens vier Pässe, bevor sie werfen muss. Gelingt das nicht, gibt es einen Freiwurf für den Gegner.
Nach jedem Tor wird mit Anwurf aus der Feldmitte fortgesetzt. Die „schnelle Mitte“ – möglichst rascher Anwurf nach Gegentor – ist eine der Waffen moderner Teams.
Siebenmeterwerfen und Entscheidungsspiele
Muss ein Sieger feststehen, etwa im DHB-Pokal oder bei Turnieren, folgen nach Unentschieden in der Regel zweimal fünf Minuten Verlängerung mit einer Minute Pause dazwischen, bei erneutem Gleichstand eine zweite Verlängerung. Bleibt es unentschieden, entscheidet das Siebenmeterwerfen: Je fünf Werfer pro Team werfen abwechselnd, danach geht es im Sudden-Death-Modus weiter. Seit 2025 endet das Werfen, sobald ein Team den Rückstand rechnerisch nicht mehr aufholen kann. Manche Wettbewerbe gehen ohne Verlängerung direkt ins Siebenmeterwerfen – maßgeblich sind die Durchführungsbestimmungen.
Im Ligabetrieb, auch in der HBL, sind Unentschieden möglich. Gezählt wird traditionell mit Pluspunkten: zwei für einen Sieg, einen für ein Remis.
Handball im Verein: Was anders sein kann
- Jugend: kürzere Spielzeiten, kleinere Bälle und in den jüngsten Altersklassen teils andere Spielformen. Welche Ballgröße wofür vorgesehen ist, zeigt unser Ratgeber Ballgrößen nach Sportart und Alter.
- Haftmittel: In vielen Hallen ist Harz verboten oder nur eingeschränkt erlaubt – das regeln die Hallenbetreiber und Verbände.
- Zeitnehmer und Sekretär: Im Amateurbereich stellt oft die Heimmannschaft das Kampfgericht. Für Trainingsspiele genügt ein Intervall-Timer, um Halbzeiten und Zeitstrafen im Blick zu behalten.
Wer die Grundregeln – drei Schritte, drei Sekunden, Torraum frei, progressive Strafen – verinnerlicht hat, versteht schon den Großteil der Pfiffe in jeder Halle zwischen Kreisliga und HBL.