Tischtennis ist in Deutschland Vereinssport im besten Sinn: Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) zählt zu den größten Tischtennisverbänden der Welt, an fast jeder Schule steht eine Platte, und die Tischtennis Bundesliga gehört zu den stärksten Ligen Europas. Die Regeln passen auf wenige Seiten, doch einige Details sorgen immer wieder für Diskussionen: Wer schlägt wann auf, wie hoch muss der Ball geworfen werden, wann ist es ein Let und wie rotiert das Doppel? Dieser Ratgeber folgt den Tischtennisregeln aus den ITTF-Statuten 2026 (Regeln 2.1 bis 2.15), ergänzt die wichtigsten ITTF-Durchführungsbestimmungen und rechnet Beispiele durch, die Sie auf unserer Anzeigetafel online nachvollziehen können. Hinweis zur Sprache: Was die ITTF “game” nennt, heißt im deutschen Tischtennis Satz.
Tisch, Netz, Ball und Schläger
| Element | Regel (ITTF 2026) |
|---|---|
| Tisch | 2,74 m × 1,525 m, Spielfläche 76 cm über dem Boden |
| Absprung | ca. 23 cm, wenn ein Ball aus 30 cm Höhe fällt |
| Linien | 2 cm breite weiße Seiten- und Grundlinien; 3 mm Mittellinie fürs Doppel |
| Netz | auf ganzer Länge 15,25 cm hoch, Pfosten 15,25 cm außerhalb der Seitenlinie |
| Ball | 40 mm Durchmesser, 2,7 g, weiß oder orange, matt |
| Schläger | Größe und Form frei; Holz mindestens 85 % der Blattdicke; eine Seite schwarz, die andere in einer hellen Farbe, die sich von Schwarz und vom Ball unterscheidet |
Die Mittellinie gehört im Doppel zur jeweils rechten Spielfeldhälfte. Bei Wettkämpfen müssen Beläge und Bälle von der ITTF zugelassen sein.
Zählweise: Sätze bis 11 und das Spiel
Einen Satz gewinnt, wer zuerst 11 Punkte erreicht – außer beide Seiten haben 10. Ab 10:10 gewinnt, wer zuerst zwei Punkte Vorsprung hat: 12:10, 13:11, 17:15. Eine Obergrenze gibt es nicht.
Ein Spiel (Match) geht über eine ungerade Zahl von Sätzen. In der Praxis:
- Drei Gewinnsätze (best of five): Standard in Punktspielen, Mannschaftswettbewerben und frühen Runden.
- Vier Gewinnsätze (best of seven): große Einzelwettbewerbe wie Weltmeisterschaften und das olympische Einzel.
- Zwei Gewinnsätze sind im Freizeitbereich und bei Nachwuchs-Gruppenspielen üblich.
Jeder Ballwechsel zählt einen Punkt, egal wer aufgeschlagen hat. Sie gewinnen den Punkt, wenn der Gegner keinen korrekten Aufschlag oder Rückschlag macht, den Ball absichtlich zweimal schlägt, die Netzgarnitur berührt oder den Tisch verschiebt, mit der freien Hand die Spielfläche berührt oder einen Ball über dem Tisch vor dem Aufspringen abfängt (Behinderung).
Aufschlagregeln
Beim Aufschlag passieren die meisten Fehler. Regel 2.6 verlangt:
- Der Ball liegt frei auf der offenen, ruhigen Handfläche der freien Hand.
- Der Aufschläger wirft ihn annähernd senkrecht und ohne Effet hoch, sodass er mindestens 16 cm steigt, und trifft ihn im Fallen.
- Der Ball springt zuerst im eigenen Feld und dann direkt im Feld des Rückschlägers auf. Im Doppel geht er diagonal von rechter Hälfte zu rechter Hälfte.
- Vom Beginn des Aufschlags bis zum Treffen bleibt der Ball oberhalb der Spielfläche und hinter der Grundlinie des Aufschlägers.
- Der Ball darf vor dem Rückschläger nicht verdeckt werden, weder durch den Aufschläger noch durch Partner oder Kleidung, und der freie Arm muss sofort nach dem Hochwerfen aus dem Raum zwischen Ball und Netz genommen werden.
Hat der Schiedsrichter Zweifel, darf er einmal pro Spiel verwarnen; danach ist jeder zweifelhafte Aufschlag dieses Spielers oder seines Partners ein Fehler. Bei körperlicher Beeinträchtigung können die Anforderungen gelockert werden.
Aufschlagfolge
- Der Aufschlag wechselt nach je zwei Punkten: A schlägt Punkte 1-2 auf, B Punkte 3-4 und so weiter.
- Ab 10:10 schlägt jeder abwechselnd nur einen Punkt auf.
- Wer in einem Satz zuerst aufgeschlagen hat, ist im nächsten Satz zuerst Rückschläger.
- Nach jedem Satz werden die Seiten gewechselt; im letztmöglichen Satz (5. von 5, 7. von 7) zusätzlich, sobald eine Seite 5 Punkte erreicht.
Let: Wann der Ballwechsel wiederholt wird
Ein Let ist ein Ballwechsel ohne Wertung. Nach Regel 2.9 gilt:
- Der Aufschlag berührt die Netzgarnitur, ist aber ansonsten korrekt, oder er wird vom Rückschläger oder dessen Partner behindert.
- Es wird aufgeschlagen, bevor der Rückschläger bereit ist, und dieser versucht nicht, den Ball zu schlagen.
- Eine Störung außerhalb der Kontrolle des Spielers (Ball vom Nachbartisch, lauter Knall) führt zu einem Fehler.
- Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel, etwa um Aufschlag- oder Seitenfolge zu korrigieren, die Wechselmethode einzuführen oder zu verwarnen.
Netzaufschläge dürfen beliebig oft wiederholt werden. Ein Netzroller im Ballwechsel bleibt einfach im Spiel.
Doppelregeln
Im Doppel schlagen die Partner abwechselnd: Aufschläger, Rückschläger, Partner des Aufschlägers, Partner des Rückschlägers und so weiter. Wer außer der Reihe schlägt, verliert den Punkt.
Die Rotation für A1/A2 gegen B1/B2:
| Punkte | Aufschläger → Rückschläger |
|---|---|
| 1-2 | A1 → B1 |
| 3-4 | B1 → A2 |
| 5-6 | A2 → B2 |
| 7-8 | B2 → A1 |
| 9-10 | wieder A1 → B1 |
Bei jedem Aufschlagwechsel wird der bisherige Rückschläger zum Aufschläger und der Partner des bisherigen Aufschlägers zum Rückschläger. Im nächsten Satz schlägt das Paar zuerst auf, das vorher zuerst rückgeschlagen hat; es bestimmt den Aufschläger, und erster Rückschläger ist der Spieler, der diesem im vorherigen Satz aufgeschlagen hat. Im letztmöglichen Satz ändert das rückschlagende Paar seine Reihenfolge, sobald ein Paar 5 Punkte erreicht.
Die Wechselmethode
Gegen endlose Abwehrduelle gibt es nach Regel 2.15 die Wechselmethode (englisch “expedite system”):
- Sie beginnt nach 10 Minuten Spielzeit in einem Satz oder früher, wenn beide Seiten es wünschen.
- Sie wird nicht eingeführt, wenn in diesem Satz bereits mindestens 18 Punkte gespielt sind (zum Beispiel 9:9 oder 11:7 im laufenden Stand).
- Danach schlägt jeder abwechselnd einen Punkt auf; schafft der Rückschläger 13 korrekte Rückschläge in einem Ballwechsel, gewinnt er den Punkt.
- Einmal eingeführt, gilt sie bis zum Ende des Spiels.
Rechenbeispiele und Spielpraxis
Verlängerung. Stand 10:10. A schlägt einen Punkt auf und gewinnt (11:10), B schlägt auf und gewinnt (11:11), A schlägt auf und gewinnt (12:11), B schlägt auf, A gewinnt erneut (13:11). Satz für A mit 13:11: 24 Punkte, zwei Punkte Abstand.
Aufschläge zählen. In einem Satz, der 11:6 endet, wurden 17 Punkte gespielt. Beim Wechsel alle zwei Punkte schlug der erste Aufschläger die Punkte 1-2, 5-6, 9-10, 13-14 und 17 auf, also 9 Aufschläge; der Gegner 8.
Grenze der Wechselmethode. Ist die 10-Minuten-Marke bei 8:9 (17 Punkte) erreicht, beginnt die Wechselmethode. Bei 9:9 (18 Punkte) würde sie nicht eingeführt.
Nach den ITTF-Bestimmungen für internationale Wettbewerbe gibt es bis zu einer Minute Pause zwischen den Sätzen, das Handtuch darf nach je 6 Punkten und beim Seitenwechsel im letzten Satz benutzt werden, und jede Seite darf pro Spiel ein Time-out von bis zu einer Minute nehmen. Für Vereinsabende und Schulsport führen Sie Punkte und Sätze auf unserer kostenlosen Anzeigetafel; für ein K.-o.-Turnier hilft der Turnierbaum-Generator, für eine Vereinsrunde der Spielplan-Generator.
Quellen: Tischtennisregeln (Regeln 2.1-2.15) nach den ITTF-Statuten 2026, veröffentlicht von Table Tennis England im Juli 2026; ITTF-Bestimmungen für internationale Wettbewerbe (Handbuch 2026). Der DTTB übernimmt die internationalen Regeln; ergänzende Vorgaben für den Punktspielbetrieb stehen in der Wettspielordnung (WO) und den Bestimmungen der Landesverbände.