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Abseitsregel erklärt: Wann ist ein Spieler im Abseits?

Abseits ist die meistdiskutierte Regel im Fußball – dabei folgt sie einer klaren Logik. Hier lesen Sie, wann eine Abseitsstellung vorliegt, wann sie strafbar wird und welche Ausnahmen gelten.

Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit

Kaum eine Szene sorgt in der Bundesliga, im DFB-Pokal oder am Sonntag auf dem Kreisliga-Platz für so viel Streit wie ein knappes Abseits. Dabei ist die Regel kürzer, als viele denken: Regel 11 der IFAB Laws of the Game 2026/27, die der DFB als offizielle Fußballregeln übernimmt, umfasst nur wenige Absätze. Entscheidend ist, zwei Dinge sauber zu trennen – die Abseitsstellung und das strafbare Abseits. Wer diesen Unterschied verstanden hat, kann fast jede Szene selbst bewerten.

Abseitsstellung: die Grundregel

Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn im Moment, in dem ein Mitspieler den Ball spielt oder berührt, gleichzeitig gilt:

  • irgendein Teil von Kopf, Rumpf oder Füßen befindet sich in der gegnerischen Hälfte (die Mittellinie selbst zählt nicht dazu), und
  • dieser Körperteil ist näher an der gegnerischen Torlinie als der Ball und als der vorletzte Gegenspieler.

Der „vorletzte Gegenspieler“ ist meist der letzte Feldspieler, weil der Torwart in der Regel der letzte ist. Läuft der Torwart weit heraus, können aber auch zwei Feldspieler die beiden hintersten Gegner sein – dann zählt der zweite von ihnen.

Wichtig ist der Zeitpunkt: Maßgeblich ist der Moment der Ballabgabe, nicht der Moment der Ballannahme. Ein Stürmer, der beim Pass noch auf Höhe steht und erst danach hinter die Abwehr läuft, ist nicht im Abseits.

Gleiche Höhe ist kein Abseits

Steht der Angreifer auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Gegenspieler oder mit dem Ball, ist er nicht im Abseits. Der alte Kreisliga-Spruch „Im Zweifel für den Angreifer“ hat hier seinen Ursprung.

Arme zählen nicht

Hände und Arme werden bei Angreifern und Verteidigern (einschließlich Torwart) nicht berücksichtigt. Die Grenze zwischen Arm und Schulter liegt an der Unterkante der Achselhöhle. Eine vorgeschobene Schulter kann also Abseits bedeuten, ein ausgestreckter Arm nicht.

Wann wird Abseits strafbar?

Die Abseitsstellung allein ist kein Vergehen. Der Schiedsrichter pfeift nur, wenn der Spieler aktiv ins Spiel eingreift. Die Regel nennt drei Fälle:

Fall Bedeutung Beispiel
Eingreifen ins Spiel Spieler spielt oder berührt den Ball, den ein Mitspieler gespielt hat Stürmer nimmt den Steilpass an
Beeinflussen eines Gegners Spieler hindert einen Gegner daran, den Ball zu spielen – etwa durch Sichtbehinderung, Zweikampf oder eine klare Aktion in Ballnähe Angreifer steht dem Torwart direkt in der Sichtlinie
Vorteil aus der Stellung Spieler erhält den Ball, nachdem er von Pfosten, Latte, Schiedsrichter oder einem Gegner abgeprallt ist oder nach einer absichtlichen Parade Abpraller nach Torwartparade landet beim abseitsstehenden Stürmer

Ein Spieler, der passiv im Abseits steht, keinen Gegner stört und den Ball nicht berührt, wird also nicht bestraft. Deshalb sieht man im Fernsehen häufig, dass der Assistent die Fahne zunächst unten lässt und erst hebt, wenn der Spieler tatsächlich eingreift („abwarten“).

Absichtliches Spielen durch den Verteidiger

Spielt ein Verteidiger den Ball absichtlich – etwa mit einem missglückten Rückpass oder einem verunglückten Klärungsversuch –, beginnt eine neue Spielsituation. Ein Angreifer, der zuvor im Abseits stand, darf den Ball dann verwerten. Ausnahme: Eine Parade, also eine Rettungstat, um ein Tor zu verhindern, setzt das Abseits nicht zurück. Ob eine Aktion „absichtlich“ war, hängt davon ab, ob der Verteidiger den Ball kontrollieren konnte (Zeit, Abstand, Sicht).

Ausnahmen: hier gibt es kein Abseits

Ein Spieler kann nicht abseits stehen, wenn er den Ball direkt aus einer dieser Situationen erhält:

  • Einwurf
  • Abstoß
  • Eckstoß

Außerdem ist niemand im Abseits, der sich in der eigenen Hälfte befindet. Bei Freistößen gilt die Abseitsregel dagegen ganz normal – deshalb laufen Angreifer bei Standards aus der Abwehrlinie heraus, statt einfach vor dem Torwart zu warten. Wer Freistoß-Varianten und Laufwege für das eigene Team plant, kann sie auf unserer Taktiktafel aufzeichnen.

Strafe: indirekter Freistoß

Strafbares Abseits wird mit einem indirekten Freistoß für den Gegner geahndet – und zwar dort, wo der Spieler ins Spiel eingegriffen hat, auch wenn das in seiner eigenen Hälfte ist. Eine persönliche Strafe gibt es für Abseits allein nicht. Eine Gelbe Karte ist nur möglich, wenn zusätzlich ein anderes Vergehen vorliegt, zum Beispiel wenn ein Spieler das Feld ohne Erlaubnis verlässt, um sich einer Abseitsstellung zu entziehen, und dann zurückkehrt. Mehr zu den Kartenregeln lesen Sie im Ratgeber Gelbe und Rote Karte.

Abseits und Videobeweis

In der Bundesliga und der 2. Bundesliga prüft der Video-Assistent bei jedem Tor, ob in der Entstehung eine strafbare Abseitsstellung vorlag. Die Linie zu ziehen ist eine Faktenentscheidung: Hier braucht der Schiedsrichter nicht an den Monitor, der VAR teilt das Ergebnis direkt mit. Muss dagegen bewertet werden, ob ein Spieler einen Gegner „beeinflusst“ hat, ist das eine Ermessensfrage, für die ein On-Field-Review üblich ist.

In internationalen Top-Wettbewerben kommt die halbautomatische Abseitstechnologie (SAOT) hinzu: Spezialkameras erfassen Körperpunkte der Spieler, ein Sensor im Ball liefert den exakten Abspielmoment, und das System erstellt die Animation, die Zuschauer im Stadion sehen. Den Ablauf des Videobeweises erklären wir ausführlich im Ratgeber Videobeweis (VAR) erklärt.

Immer wieder liest man von einer neuen Abseitsregel mit „Tageslicht“ zwischen Angreifer und Verteidiger. Das IFAB hat solche Varianten bislang nur in Testreihen erprobt; in den Laws of the Game 2026/27 gilt weiterhin die beschriebene Regel.

Typische Irrtümer im Amateurfußball

Auf dem Dorfsportplatz gibt es meist keinen geprüften Assistenten, sondern Vereinslinienrichter oder gar niemanden an der Linie. Umso häufiger halten sich diese Missverständnisse:

  1. „Er stand beim Ballkontakt im Abseits.“ Falsch – entscheidend ist der Moment des Passes, nicht der Annahme.
  2. „Der Torwart zählt immer als letzter Mann.“ Nein, es zählt der vorletzte Gegenspieler, egal ob Torwart oder Feldspieler.
  3. „Abseits beim Einwurf.“ Gibt es nicht.
  4. „Rückpass vom Verteidiger hebt Abseits nie auf.“ Ein absichtliches Spielen des Balls tut es schon, nur eine Parade nicht.
  5. „Ein Spieler im Abseits muss immer abgepfiffen werden.“ Nur wenn er aktiv eingreift.

Gerade für Trainer im Jugendbereich lohnt es sich, die Abwehrlinie zu üben: Eine gut geführte Viererkette, die gemeinsam herausrückt, stellt Gegner regelmäßig ins Abseits. Mit unserem Tool Aufstellung erstellen können Sie die Formation festlegen und mit der Mannschaft besprechen.

Abseits auf verschiedenen Spielfeldgrößen

Im Kleinfeldfußball der jüngeren Jahrgänge wird oft ohne Abseits gespielt; ab welcher Altersklasse die Regel greift, legen die Landesverbände in ihren Durchführungsbestimmungen fest. Auf dem Großfeld (bis zu 105 × 68 m in Profistadien) spielt die Abseitslinie eine viel größere Rolle, weil hohe Abwehrreihen große Räume hinter sich lassen. Wie groß ein Spielfeld nach Regel 1 sein darf, zeigt unser Rechner für Fußballfeld-Maße. Einen Überblick über alle 17 Regeln finden Sie im Ratgeber Fußballregeln.

Kurz zusammengefasst

Abseits ist eine Momentaufnahme beim Zuspiel: Zählt ein Körperteil (ohne Arme) näher zur gegnerischen Torlinie als Ball und vorletzter Gegenspieler, liegt eine Abseitsstellung vor. Strafbar wird sie erst, wenn der Spieler ins Spiel eingreift, einen Gegner beeinflusst oder aus einem Abpraller Vorteil zieht. Bei Einwurf, Abstoß, Eckstoß und in der eigenen Hälfte gibt es kein Abseits, und die Strafe ist stets ein indirekter Freistoß.

Häufige Fragen

Ist gleiche Höhe Abseits?

Nein. Wer sich auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Gegenspieler oder mit dem Ball befindet, steht nicht im Abseits. Abseits liegt erst vor, wenn ein zählbarer Körperteil näher an der gegnerischen Torlinie ist.

Kann man nach einem Einwurf im Abseits stehen?

Nein. Bei Einwurf, Abstoß und Eckstoß gibt es kein strafbares Abseits, wenn der Spieler den Ball direkt aus dieser Spielfortsetzung erhält.

Zählt der Arm bei der Abseitsentscheidung?

Hände und Arme werden nicht berücksichtigt, auch nicht beim Torwart. Die Grenze des Arms liegt an der Unterkante der Achselhöhle; die Schulter darüber zählt also mit.

Kann man in der eigenen Hälfte im Abseits stehen?

Nein. Eine Abseitsstellung ist nur in der gegnerischen Hälfte möglich. Wer zum Zeitpunkt des Zuspiels in der eigenen Hälfte oder genau auf der Mittellinie steht, ist nie im Abseits.

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