Die Tennis-Zählweise verwirrt Einsteiger, weil sie auf drei Ebenen gleichzeitig zählt: Punkte ergeben Spiele, Spiele ergeben Sätze, Sätze ergeben ein Match. Dazu kommt, dass die Punkte nicht 1-2-3 heißen, sondern 15-30-40, und dass die Regeln mehrere Formate erlauben – vom klassischen Vorteilsatz bis zum Match-Tiebreak bis 10, der im Doppel und in vielen Vereinswettbewerben gespielt wird. Dieser Ratgeber erklärt jede Ebene so, wie sie in den ITF Rules of Tennis 2026 steht (Regeln 5 bis 7 und der Anhang zu alternativen Zählweisen), ergänzt die Formate, die Sie im Verein und in der Medenrunde Ihres Landesverbands im Deutschen Tennis Bund (DTB) antreffen, und endet mit Rechenbeispielen, die Sie auf dem Spielberichtsbogen oder auf unserer Anzeigetafel online nachvollziehen können.
Punkte im Spiel: null, 15, 30, 40
Ein normales Spiel gewinnt, wer zuerst vier Punkte mit mindestens zwei Punkten Vorsprung holt. Die Ansagen lauten:
| Gewonnene Punkte | Ansage |
|---|---|
| 0 | Null (englisch “love”) |
| 1 | 15 |
| 2 | 30 |
| 3 | 40 |
| 4 | Spiel (bei mindestens zwei Punkten Vorsprung) |
Der Stand des Aufschlägers wird immer zuerst genannt: “30:15” heißt, der Aufschläger führt. Erreichen beide 40, steht es Einstand (englisch “deuce”). Wer den nächsten Punkt gewinnt, hat Vorteil. Gewinnt derselbe Spieler auch den folgenden Punkt, ist das Spiel seins; verliert er ihn, steht es wieder Einstand. Theoretisch kann ein Spiel endlos dauern – auf Sand fühlt es sich manchmal genau so an.
No-Ad (Entscheidungspunkt)
Die ITF erlaubt No-Ad als offizielle Alternative. Bei Einstand wird ein einziger Entscheidungspunkt gespielt. Der Rückschläger wählt, ob er auf der rechten (Einstand-) oder linken (Vorteil-)Seite annimmt. Im Doppel wählt das rückschlagende Team, und die Spieler dürfen für diesen Punkt nicht die Positionen tauschen. Im Mixed nimmt der Spieler an, der dasselbe Geschlecht hat wie der Aufschläger. No-Ad ist Standard im ATP- und WTA-Doppel; seit 2026 nutzt die ITF es auch im Rollstuhltennis-Doppel auf allen Turnierstufen.
Spiele und Sätze
Der Aufschlag wechselt nach jedem Spiel. Einen Satz gewinnt, wer zuerst sechs Spiele mit zwei Spielen Vorsprung hat; 6:4 beendet den Satz, 6:5 nicht. Was bei 6:6 passiert, hängt vom vorher festgelegten Satztyp ab:
- Tiebreak-Satz: Bei 6:6 entscheidet ein Tiebreak, der Satz endet 7:6.
- Vorteilsatz: Es wird weitergespielt, bis einer zwei Spiele vorn liegt (8:6, 12:10 usw.). Im Spitzentennis ist das selten geworden, regelkonform ist es weiterhin.
Seitenwechsel ist nach dem ersten, dritten und jedem weiteren ungeraden Spiel eines Satzes. Am Satzende wird nur gewechselt, wenn die Summe der Spiele in diesem Satz ungerade war; sonst nach dem ersten Spiel des nächsten Satzes.
Der Tiebreak bis 7
Im Tiebreak wird 1, 2, 3 usw. gezählt. Wer zuerst 7 Punkte mit zwei Punkten Vorsprung hat, gewinnt Tiebreak und Satz. Bei 6:6 geht es weiter, bis einer zwei Punkte vorn liegt (8:6, 9:7, 14:12).
Die Aufschlagfolge ist der Teil, den viele Vereinsspieler vergessen:
| Punkt | Aufschläger | Feld |
|---|---|---|
| 1 | Spieler A | Einstand (rechts) |
| 2-3 | Spieler B | erst Vorteil, dann Einstand |
| 4-5 | Spieler A | erst Vorteil, dann Einstand |
| 6-7 | Spieler B | erst Vorteil, dann Einstand |
| … | Wechsel alle zwei Punkte |
Die Seiten werden nach jeweils sechs Punkten gewechselt (nach 6, 12, 18 Punkten). Wer im Tiebreak zuerst aufgeschlagen hat, ist im ersten Spiel des nächsten Satzes Rückschläger. Im Doppel gilt dieselbe Reihenfolge, die Aufschlagfolge der Teams aus dem Satz bleibt erhalten.
Das Match: zwei oder drei Gewinnsätze und der Match-Tiebreak
Die meisten Matches gehen über zwei Gewinnsätze. Das Herren-Einzel bei den vier Grand Slams wird über drei Gewinnsätze gespielt. Im Verein wird der dritte Satz häufig durch einen Match-Tiebreak ersetzt, umgangssprachlich auch Champions-Tiebreak:
- Bei 1:1 Sätzen (bzw. 2:2 bei drei Gewinnsätzen) entscheidet ein einziger Tiebreak das Match.
- Es gewinnt, wer zuerst 10 Punkte mit zwei Punkten Abstand erreicht.
- Aufschlag- und Seitenwechsel wie im Tiebreak bis 7.
- Er zählt als ein Satz und wird meist in eckigen Klammern notiert: 6:4 3:6 [10:7].
Der ITF-Anhang kennt außerdem Kurzsätze: zuerst vier Spiele mit zwei Spielen Vorsprung, Tiebreak bei 4:4. Welche Formate in Ihrer Medenrunde gelten, regelt die Wettspielordnung des jeweiligen Landesverbands; im Doppel ist der Match-Tiebreak statt dritten Satzes inzwischen weit verbreitet.
Grand-Slam-Regel im letzten Satz seit 2022
Jahrzehntelang entschieden die vier Majors den letzten Satz unterschiedlich. Im März 2022 kündigte das Grand Slam Board eine gemeinsame Regel an, die ab Roland-Garros 2022 galt und 2026 weiterhin gilt: Bei 6:6 im letzten Satz wird ein Tiebreak bis 10 gespielt (zwei Punkte Vorsprung). Das gilt für Hauptfeld und Qualifikation, Einzel wie Doppel.
| Turnier | Vor 2022 | Seit 2022 |
|---|---|---|
| Australian Open | Tiebreak bis 10 bei 6:6 (ab 2019) | Tiebreak bis 10 bei 6:6 |
| Roland-Garros | Vorteilsatz, kein Tiebreak | Tiebreak bis 10 bei 6:6 |
| Wimbledon | Tiebreak bis 7 bei 12:12 (2019-2021) | Tiebreak bis 10 bei 6:6 |
| US Open | Tiebreak bis 7 bei 6:6 | Tiebreak bis 10 bei 6:6 |
Ein fünfter Satz wie das 70:68 zwischen Isner und Mahut in Wimbledon 2010 ist bei einem Major damit nicht mehr möglich.
Netzaufschlag, Doppelfehler und Sonderfälle
- Netzaufschlag (Let): Berührt der Aufschlag das Netz und landet im richtigen Feld, wird dieser Aufschlag wiederholt. Der ITF-Anhang erlaubt auch eine “No-Let”-Variante, bei der der Ball im Spiel bleibt.
- Doppelfehler: Zwei Fehler hintereinander kosten den Punkt.
- Falsche Seite oder falscher Aufschläger: Nach Regel 27 bleiben gespielte Punkte gültig, korrigiert wird, sobald der Fehler auffällt. 2026 wurde klargestellt, dass ein Fehler im Tiebreak, der aufgeschlagen wurde, bevor man die falsche Seite bemerkt, nicht bestehen bleibt.
- Fußfehler im Doppel: Die Änderungen 2026 stellen klar, dass der Aufschläger hinter dem Grundlinienstück zwischen Einzel- und Doppelseitenlinie stehen darf.
Rechenbeispiele
Beispiel 1: ein langes Spiel. Der Aufschläger gewinnt die ersten zwei Punkte (30:0), verliert drei (30:40), gewinnt einen (Einstand), verliert einen (Vorteil Rückschläger) und gewinnt dann drei in Folge: Einstand, Vorteil Aufschläger, Spiel. Das Spiel dauerte 10 Punkte: 6 für den Aufschläger, 4 für den Rückschläger, Abstand zwei (6:4).
Beispiel 2: ein Tiebreak. Bei 6:6 schlägt A Punkt 1 auf und gewinnt (1:0). B schlägt Punkte 2 und 3 auf und gewinnt beide (1:2). A holt 4 und 5 (3:2). Auch die Punkte 6 und 7 bei Aufschlag B gehen an A: 4:2 nach Punkt 6, Seitenwechsel, dann 5:2. Die restlichen vier Punkte teilen sich beide, der Tiebreak endet nach 11 Punkten 7:4 für A. Probe: 7 + 4 = 11, Vorsprung drei. Der Satz wird 7:6(4) notiert; die Zahl in Klammern sind die Tiebreak-Punkte des Verlierers.
Beispiel 3: ein Fünfsatzmatch. 6:4 3:6 7:6(5) 4:6 7:6(10:8) bedeutet: Der Sieger gewann im letzten Satz bei 6:6 den Tiebreak bis 10 mit 10:8.
Zählen auf dem Platz und Quellen
Eine feste Routine hilft: Stand des Aufschlägers zuerst ansagen, beim Seitenwechsel den Spielstand nennen und im Tiebreak nach jedem Punkt laut zählen. Für Vereinsabende, den Schulsport oder die Doppel-Rangliste können Sie Punkte, Spiele und Sätze auf unserer kostenlosen Anzeigetafel mitführen; für ein K.-o.-Turnier erstellt der Turnierbaum-Generator die Auslosung.
Quellen: ITF Rules of Tennis 2026 (Regeln 5, 6, 7, 18, 27 und Anhang zu alternativen Verfahren und Zählweisen) sowie die ITF-Übersicht der Änderungen 2026; Mitteilung des Grand Slam Board vom März 2022 zum Tiebreak im Entscheidungssatz; ITF-Reglementänderungen 2026 im Rollstuhltennis. Der DTB als ITF-Mitglied übernimmt die Tennisregeln; konkrete Formate für Mannschaftsspiele legen die Landesverbände fest.