Wer zum ersten Mal ein Volleyballspiel verfolgt, wundert sich oft: Warum stehen die Spieler beim Aufschlag scheinbar wild durcheinander und laufen danach sofort auf andere Plätze? Die Antwort liegt in der Rotation. Jede Spielerin muss im Laufe eines Satzes durch alle sechs Feldpositionen wandern, darf aber nach dem Aufschlag ihre eigentliche Spezialposition einnehmen. Dieser Ratgeber erklärt die Positionen I bis VI, die Rollen im modernen Volleyball und die Rotationsregeln nach den FIVB Official Volleyball Rules 2025–2028, die auch für DVV und Volleyball Bundesliga (VBL) gelten. Die allgemeinen Spielregeln findest du in unserem Ratgeber Volleyball-Regeln.
Die sechs Feldpositionen
Das Volleyballfeld jeder Mannschaft wird für die Aufstellung in sechs Positionen unterteilt. Gezählt wird gegen den Uhrzeigersinn, beginnend hinten rechts:
| Position | Lage im Feld | Zone |
|---|---|---|
| I | hinten rechts – hier wird aufgeschlagen | Hinterfeld |
| II | vorne rechts | Vorderfeld |
| III | vorne Mitte | Vorderfeld |
| IV | vorne links | Vorderfeld |
| V | hinten links | Hinterfeld |
| VI | hinten Mitte | Hinterfeld |
Die Spieler auf II, III und IV sind Vorderspieler: Sie dürfen blocken und aus der Vorderzone angreifen. Die Spieler auf I, V und VI sind Hinterspieler: Sie dürfen nicht blocken und nur hinter der 3-m-Linie abspringen, wenn sie den Ball oberhalb der Netzkante angreifen.
So funktioniert die Rotation
Vor jedem Satz gibt der Trainer dem Schreiber einen Aufstellungsbogen ab. Diese Startaufstellung legt die Reihenfolge fest, die den ganzen Satz über gilt.
Gerotiert wird im Uhrzeigersinn, und zwar nur dann, wenn die annehmende Mannschaft den Ballwechsel gewinnt und damit das Aufschlagrecht zurückerhält (Side-out). Dann rückt jeder eine Position weiter: II nach I, I nach VI, VI nach V, V nach IV, IV nach III und III nach II. Wer neu auf Position I steht, schlägt auf.
Gewinnt das aufschlagende Team den Punkt, wird nicht rotiert, und dieselbe Person schlägt erneut auf.
Beispiel
Team A schlägt auf und verliert den Ballwechsel. Team B bekommt den Punkt und das Aufschlagrecht. Team B rotiert: Der Spieler, der vorher auf Position II stand, wechselt nach hinten rechts und schlägt auf. Team A rotiert nicht, denn es hat das Aufschlagrecht ja verloren – nicht gewonnen.
Positionsfehler: Was gilt seit 2025?
Bis 2024 mussten beide Mannschaften beim Aufschlag in ihrer Rotationsordnung stehen. Mit dem Regelwerk 2025–2028 hat die FIVB den Positionsfehler für das aufschlagende Team abgeschafft. Dessen Spieler dürfen beim Aufschlag frei auf dem eigenen Feld stehen, nur der Aufschläger selbst muss in der Aufschlagzone sein.
Die annehmende Mannschaft muss weiterhin korrekt stehen. Dabei kommt es auf die Lagebeziehung benachbarter Spieler an:
- Jeder Vorderspieler muss mit mindestens einem Teil eines Fußes näher an der Mittellinie stehen als der zugehörige Hinterspieler (IV vor V, III vor VI, II vor I).
- Innerhalb einer Reihe muss die Links-rechts-Reihenfolge stimmen: In der Vorderreihe steht IV links von III und III links von II, hinten entsprechend V – VI – I.
Sobald der Ball beim Aufschlag getroffen ist, dürfen alle Spieler beider Teams überall hin. Deshalb sieht man direkt nach dem Aufschlag die typischen „Läufe“: Die Zuspielerin eilt auf ihre Position, die Angreifer verteilen sich auf ihre Spezialpositionen.
Die Rollen im modernen Volleyball
Die Positionsnummern beschreiben nur, wo jemand beim Aufschlag steht. Die eigentliche Aufgabe im Spiel ist die Rolle:
| Rolle | Aufgabe | Bevorzugte Angriffsposition |
|---|---|---|
| Zuspieler (Steller) | verteilt den zweiten Ball, steuert das Spiel | spielt meist von rechts vorne zu |
| Diagonalangreifer | Hauptangreifer, steht diagonal zum Zuspieler, oft wenig in der Annahme | rechts (Position II) und aus dem Hinterfeld |
| Außenangreifer (2) | Annahme und Angriff über links | links (Position IV) |
| Mittelblocker (2) | Block in der Mitte, schnelle Angriffe | Mitte (Position III) |
| Libero | Annahme und Abwehr im Hinterfeld | greift nicht an |
Der Libero ersetzt in der Regel die Mittelblocker, sobald diese nach hinten rotieren. Seine Wechsel sind unbegrenzt und zählen nicht zu den sechs regulären Wechseln pro Satz. Er darf nicht aufschlagen, blocken oder oberhalb der Netzkante angreifen.
Wer Aufstellungen für das nächste Training oder Spiel plant, kann die Startformation in unserem Aufstellungs-Tool visualisieren und mit dem Team teilen.
Spielsysteme: 4-2, 5-1 und 6-2
Wie viele Zuspieler eine Mannschaft einsetzt, bestimmt das Spielsystem:
- 5-1: Ein Zuspieler und fünf Angreifer. Der Standard im Leistungsvolleyball und in der VBL. In drei Rotationen steht der Zuspieler vorn, dann gibt es nur zwei Angreifer im Vorderfeld, dafür sind die Abläufe stabil.
- 6-2: Zwei Zuspieler, die sich diagonal gegenüberstehen. Es spielt immer der Zuspieler aus dem Hinterfeld zu, sodass vorn stets drei Angreifer stehen. Beliebt in Jugend- und Hobbymannschaften.
- 4-2: Zwei Zuspieler, die jeweils aus dem Vorderfeld stellen. Einfach zu lernen, aber mit nur zwei Angreifern vorne leichter auszurechnen. Häufig im Einstieg.
Annahmeformationen
Bei der Annahme verstecken Teams gern den Zuspieler und den Diagonalangreifer. Klassisch nehmen die beiden Außenangreifer und der Libero in einer Dreierreihe an. Weil nur die annehmende Mannschaft die Rotationsordnung einhalten muss, braucht es dafür gut einstudierte Laufwege.
Rotation und Wechsel praktisch planen
Für Trainer im Verein hilft eine einfache Checkliste:
- Startaufstellung: Zuspieler meist auf Position I, damit er im ersten Ballwechsel direkt an die Zuspielposition laufen kann.
- Diagonale Paare: Zuspieler und Diagonalangreifer, die beiden Außen und die beiden Mittelblocker stehen sich jeweils gegenüber (drei Positionen Abstand).
- Wechsel zählen: Pro Satz sind sechs reguläre Wechsel erlaubt; ein eingewechselter Spieler darf nur gegen den Spieler wieder raus, für den er kam.
- Statistik: Welche Rotation punktet, welche nicht? Mit dem Volleyball-Statistik-Rechner lässt sich die Angriffsquote pro Spieler schnell ermitteln.
Wer den Spielstand und die Aufschlagreihenfolge am Spielfeldrand mitführen will, nutzt unsere Online-Anzeigetafel.
Häufige Missverständnisse
- „Die Positionen sind feste Plätze.“ Nein. Positionen gelten nur im Moment des Aufschlags; danach laufen alle auf ihre Spezialrolle.
- „Der Libero rotiert mit.“ Er nimmt nur Hinterfeldpositionen ein. Rotiert er auf Position IV, muss er das Feld verlassen und der ursprüngliche Spieler kommt zurück.
- „Wer aufschlägt, muss danach hinten rechts bleiben.“ Nach dem Aufschlag darf auch der Aufschläger frei laufen, bleibt aber Hinterspieler – blocken und vorn über Netzhöhe angreifen darf er nicht.
Mit diesem Wissen erschließt sich das scheinbare Durcheinander beim Aufschlag schnell: Hinter jedem Lauf steckt ein Plan, und hinter jedem Plan die Rotationsregel.