Padel ist die am schnellsten wachsende Rückschlagsportart der Welt. In Spanien und Argentinien gehört sie zum Alltag, und auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstehen ständig neue Courts – oft direkt auf der Anlage des Tennisvereins, häufig auch in Hallen in Großstädten. Wer Tennis kennt, findet sich schnell zurecht: Doppel, Netz, Zählweise mit 15-30-40. Den Unterschied machen die Wände, der Aufschlag von unten und eine neue Zählvariante, die der Internationale Padelverband (FIP) für 2026 eingeführt hat. Dieser Ratgeber folgt den FIP Rules of Padel, gültig ab 1. Januar 2026, erklärt die Situationen, über die im Verein am häufigsten diskutiert wird, und zeigt, wie Sie den Spielstand auf unserer Anzeigetafel online mitführen.
Platz, Netz und Umrandung
Padel wird fast immer im Doppel auf einem rundum geschlossenen Platz gespielt.
| Element | FIP-Vorgabe 2026 |
|---|---|
| Spielfläche | 20 m × 10 m Innenmaß |
| Netz | 10 m lang, Mitte 0,88 m, Enden 0,92 m hoch |
| Aufschlaglinien | je 6,95 m vom Netz |
| Mittellinie | reicht mindestens 20 cm über die Aufschlaglinie hinaus |
| Linienbreite | 5 cm |
| Rückwände | insgesamt 4 m: 3 m Wand (Glas oder massiv) plus 1 m Metallgitter |
| Lichte Höhe | mindestens 6 m (für Neubauten 8 m empfohlen) |
Die Seiten gibt es in zwei Varianten: abgestufte Wand (3 m und 2 m hoch, jeweils 2 m lang) oder je Ende eine 3 m hohe und 4 m lange Glasscheibe; den Rest ergänzt Gitter. Das ist wichtig, denn die Regeln behandeln Glas und Gitter unterschiedlich.
Der Aufschlag
Jeder Punkt beginnt mit einem Aufschlag von unten, und Sie haben zwei Versuche. Nach Regel 6 der FIP-Regeln gilt:
- Der Aufschläger steht mit mindestens einem Fuß hinter der Aufschlaglinie, zwischen der gedachten Verlängerung der Mittellinie und der Seitenwand, und bleibt dort, bis der Ball getroffen ist.
- Der Ball wird vor dem Schlag einmal im eigenen Feld hinter der Aufschlaglinie auf den Boden geprellt.
- Im Treffpunkt muss der Ball in Hüfthöhe oder darunter sein, und mindestens ein Fuß muss den Boden berühren.
- Der Aufschläger darf weder die Aufschlaglinie noch die gedachte Mittellinie betreten.
- Der Aufschlag geht diagonal und muss im Aufschlagfeld des Rückschlägers aufspringen; Linien zählen als gut.
- Der erste Punkt jedes Spiels wird von rechts geschlagen, danach wechselt die Seite mit jedem Punkt.
Vor jedem Satz legen die Paare fest, wer zuerst aufschlägt; der Aufschlag wechselt dann Spiel für Spiel zwischen den vier Spielern (A1, B1, A2, B2) und kann erst im nächsten Satz geändert werden.
Aufschlagfehler und Netz
Ein Aufschlag ist Fehler, wenn der Aufschläger gegen eine der Vorgaben verstößt, den Ball verfehlt, der Ball außerhalb des Feldes aufspringt, den Aufschläger oder seinen Partner trifft oder im Feld aufspringt und vor dem zweiten Aufprall das Metallgitter berührt. Aufspringen im Feld und danach die Glaswand treffen ist dagegen völlig regulär. Zwei Fehler in Folge kosten den Punkt.
Berührt der Aufschlag das Netz und landet im richtigen Feld (ohne danach ans Gitter zu gehen), heißt es “Netz” und der Aufschlag wird wiederholt. Ebenso, wenn der Rückschläger nicht bereit war und keinen Rückschlagversuch gemacht hat.
Wände, Glas und Ball im Spiel
Die Wände sind das Herz des Padel. Die Grundlogik:
- Den Aufschlag muss der Rückschläger aufspringen lassen. Im Ballwechsel darf volliert oder nach einem Aufprall gespielt werden.
- Ist der Ball in Ihrer Hälfte auf dem Boden aufgesprungen, darf er jede Wand oder das Gitter treffen und bleibt im Spiel, bis er ein zweites Mal aufspringt.
- Sie dürfen den Ball gegen Ihre eigene Glaswand schlagen, damit er ins gegnerische Feld fliegt – ein klassischer Verteidigungsschlag.
- Ihr Schlag muss zuerst auf dem Boden des Gegners aufspringen. Trifft er vorher dessen Wand, das Gitter oder etwas anderes, verlieren Sie den Punkt.
- Trifft Ihr Schlag das Gitter auf Ihrer eigenen Seite, ist der Punkt verloren; Ihr eigenes Glas ist erlaubt.
- Ein Ball, der im gegnerischen Feld aufspringt und über die Wand oder durch die Tür hinausfliegt, darf nur dort außerhalb verfolgt werden, wo Außenspiel zugelassen ist und die vorgeschriebene Sicherheitszone existiert.
Fehler, die den Punkt kosten
Die Liste in Regel 13 ist lang; im Freizeitbereich kommen diese am häufigsten vor:
- Berühren von Netz, Pfosten oder gegnerischem Feld mit Körper oder Schläger, solange der Ball im Spiel ist.
- Den Ball zweimal aufspringen lassen.
- Den Ball schlagen, bevor er das Netz überquert hat.
- Doppelschlag oder wenn beide Partner den Ball spielen.
- Der Ball berührt Sie oder Ihren Partner nach dem eigenen Schlag, oder er trifft Sie ohne Bodenkontakt nach dem Schlag des Gegners.
- Über das Netz springen, während der Punkt läuft.
- Schläger fallen lassen oder werfen, Sicherheitsschlaufe reißen.
Unabsichtliche Behinderung (etwa ein Ball vom Nachbarplatz) führt zur Wiederholung; absichtliche Behinderung kostet den Punkt.
Zählweise: Spiele, Sätze und die drei FIP-Optionen
Die Zählweise folgt dem Tennis: 15, 30, 40, Spiel; einen Satz gewinnt, wer sechs Spiele mit zwei Spielen Vorsprung hat; bei 6:6 Tiebreak bis 7; gespielt wird auf zwei Gewinnsätze. Der Unterschied in den FIP-Regeln 2026 liegt beim Einstand. Der Veranstalter muss eine von drei Optionen festlegen:
| Option | Was bei 40:40 passiert |
|---|---|
| 1. Vorteil | Klassisch Einstand und Vorteil, bis ein Paar zwei Punkte in Folge gewinnt |
| 2. Star Point | Einstand 1 und Einstand 2 mit Vorteil; bei Einstand 3 entscheidet ein einziger Star Point |
| 3. Golden Point | Schon beim ersten Einstand ein einziger Entscheidungspunkt |
Beim Star Point wie beim Golden Point wählt das rückschlagende Paar, ob rechts oder links angenommen wird, und darf für diesen Punkt die Positionen nicht tauschen. Im Mixed nimmt der Spieler gleichen Geschlechts wie der Aufschläger an.
Warum es den Star Point gibt
Die FIP-Generalversammlung hat den Star Point am 28. November 2025 beschlossen. Der Golden Point machte Spiele kurz, legte aber viel Gewicht auf einen einzigen Punkt; mit Vorteil dauerten manche Profimatches über drei Stunden. Der Kompromiss begrenzt ein Spiel auf zwei Vorteile. Auf der Premier Padel Tour gilt er seit dem Riyadh P1 im Februar 2026, auf der CUPRA FIP Tour seit der ersten Station der Saison. Vereine dürfen für Freizeit- und Ligaspiele weiterhin Golden Point oder Vorteil ansetzen.
Kurzformate
Die Regeln erlauben außerdem einen Mini-Satz auf vier Spiele (Tiebreak bei 4:4), einen Tiebreak bis 7 statt des dritten Satzes oder einen Super-Tiebreak bis 10 (zwei Punkte Vorsprung) bei Satzgleichstand. Bei 90-Minuten-Buchungen im Verein ist das die Regel.
Rechenbeispiele
Spiel mit Star Point. 40:40 (Einstand 1). Paar A gewinnt einen Punkt: Vorteil 1. Paar B gewinnt den nächsten: Einstand 2. B gewinnt erneut: Vorteil 2. A gewinnt: Einstand 3. Das rückschlagende Paar wählt die Seite, der Star Point wird gespielt, der Sieger gewinnt das Spiel. Punkte ab 40:40: 4 plus Star Point = 5, beim Golden Point nur 1.
Super-Tiebreak. Sätze 6:3, 4:6. Der Super-Tiebreak erreicht 9:9, Paar A gewinnt zwei Punkte in Folge: 11:9. Ergebnis: 6:3 4:6 [11:9]. Probe: 11 ≥ 10, Abstand 2.
Seitenwechsel im Tiebreak. Im Tiebreak bis 7 wird alle 6 Punkte gewechselt. Nach 6 Punkten (etwa 4:2) wird getauscht; steht es nach 12 Punkten 7:5, ist der Tiebreak bereits beendet.
Zeiten, Ausrüstung und Quellen
Laut FIP-Regeln sind höchstens 20 Sekunden zwischen den Punkten, 90 Sekunden beim Seitenwechsel und 120 Sekunden zwischen den Sätzen erlaubt. Der Schläger darf höchstens 45,5 cm lang, 26 cm breit und 38 mm dick sein, eine Handgelenkschlaufe ist Pflicht. Für ein Americano oder ein K.-o.-Turnier im Verein hilft unser Turnierbaum-Generator, für eine Liga im Jeder-gegen-jeden-Modus der Spielplan-Generator.
Quellen: FIP Rules of Padel (anwendbar ab 1. Januar 2026), Regeln 1 bis 17 und Platzvorgaben; FIP-Mitteilung zum Star-Point-System, beschlossen von der Generalversammlung am 28. November 2025, sowie Premier-Padel-Kalender 2026. Nationale Verbände übernehmen die FIP-Regeln und legen die Formate ihrer Wettbewerbe selbst fest.