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Schachregeln und Bedenkzeiten verständlich erklärt

Wie die Figuren ziehen, welche Sonderzüge Anfänger übersehen, wann eine Partie remis endet, wie die FIDE Turnier-, Schnell- und Blitzschach abgrenzt und wie sich Elo und DWZ verändern.

Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit

Ob Mannschaftskampf in der Kreisklasse, Schulschach-Meisterschaft oder Open am Wochenende: Schach wird überall nach denselben Regeln gespielt, den FIDE-Schachregeln (Laws of Chess). Die aktuelle Fassung gilt seit 1. Januar 2023 und ist auch 2026 in Kraft; die Neuerungen der FIDE im Jahr 2026 betrafen Material-, Feinwertungs- und Schweizer-System-Regelungen, nicht die Grundregeln. Der Deutsche Schachbund (DSB) übernimmt die Regeln in deutscher Übersetzung und ergänzt sie um seine Turnier- und Wertungsordnung. Dieser Ratgeber erklärt die Zugweise aller Figuren, die Sonderzüge, sämtliche Remisarten, die Regel „berührt – geführt“, die Einteilung der Bedenkzeiten und die Grundlagen der Elo- und DWZ-Wertung mit Rechenbeispiel.

Brett und Zugweise der Figuren

Das Brett hat 64 Felder, rechts unten liegt für jeden Spieler ein weißes Feld. Weiß zieht zuerst, danach wird abwechselnd gezogen.

Figur Zugweise Hinweis
König Ein Feld in jede Richtung Darf nie ins Schach ziehen
Dame Beliebig weit gerade oder diagonal Stärkste Figur
Turm Beliebig weit auf Reihe oder Linie Beteiligt an der Rochade
Läufer Beliebig weit diagonal Bleibt immer auf einer Farbe
Springer Zwei Felder gerade, eins seitlich Einzige Figur, die springen darf
Bauer Ein Feld vor, vom Startfeld zwei Schlägt diagonal ein Feld nach vorn

Außer dem Springer darf keine Figur über andere hinwegziehen. Geschlagen wird, indem man auf das Feld einer gegnerischen Figur zieht; diese wird vom Brett genommen.

Sonderzüge: Rochade, en passant, Umwandlung

Rochade

Der König zieht zwei Felder Richtung Turm, der Turm springt auf das Feld, das der König überquert hat. Erlaubt ist das nur, wenn

  • weder König noch dieser Turm schon gezogen haben,
  • alle Felder dazwischen frei sind,
  • der König nicht im Schach steht und weder über ein angegriffenes Feld zieht noch auf einem landet.

Der Turm darf angegriffen sein, und bei der langen Rochade darf er über ein angegriffenes Feld ziehen. Die Rochade ist ein Königszug: zuerst den König berühren, mit einer Hand ausführen.

En passant

Zieht ein Bauer vom Startfeld zwei Felder und landet neben einem gegnerischen Bauern, darf dieser ihn so schlagen, als wäre er nur ein Feld gezogen. Das geht nur im unmittelbar folgenden Zug.

Umwandlung

Ein Bauer, der die letzte Reihe erreicht, muss im selben Zug in Dame, Turm, Läufer oder Springer der eigenen Farbe umgewandelt werden. Man ist nicht auf geschlagene Figuren beschränkt; zwei Damen sind regelgemäß. Eine Unterverwandlung in Springer oder Turm vermeidet manchmal ein Patt.

Schach, Matt und Patt

  • Schach: Der König ist angegriffen. Man muss das Schach durch Wegziehen, Schlagen oder Dazwischenziehen aufheben.
  • Matt: Der König steht im Schach und es gibt keinen regelgemäßen Ausweg. Die Partie ist sofort beendet.
  • Patt: Die Seite am Zug hat keinen regelgemäßen Zug und steht nicht im Schach. Die Partie endet remis.

Der König wird nie geschlagen. Ein regelwidriger Zug wird bestraft: In der Turnierpartie erhält der Gegner beim ersten vollendeten regelwidrigen Zug zwei Minuten gutgeschrieben, beim zweiten ist die Partie verloren. Im Schnell- und Blitzschach beträgt die Zeitgutschrift eine Minute.

Alle Remisarten

  1. Patt.
  2. Vereinbarung zwischen den Spielern; manche Turniere beschränken frühe Remisangebote.
  3. Dreimalige Stellungswiederholung: dieselbe Stellung mit demselben Spieler am Zug und denselben Rochade- und En-passant-Rechten tritt dreimal auf. Muss korrekt reklamiert werden.
  4. 50-Züge-Regel: Jeder Spieler hat 50 Züge ohne Bauernzug und ohne Schlagen gemacht. Ebenfalls Reklamation.
  5. Automatisches Remis: fünfmalige Wiederholung oder 75 Züge je Spieler ohne Bauernzug und Schlagen. Der Schiedsrichter beendet die Partie ohne Reklamation.
  6. Tote Stellung: Keine regelgemäße Zugfolge kann zum Matt führen, etwa König gegen König, König und Läufer gegen König, König und Springer gegen König.
  7. Zeitüberschreitung ohne Mattmaterial: Läuft die Zeit ab, kann der Gegner aber auf keine Weise mattsetzen, endet die Partie remis.

Berührt – geführt und die Uhr

Am Brett gilt Artikel 4 der Schachregeln:

  • Wer absichtlich eine eigene Figur berührt, muss sie ziehen, sofern sie regelgemäß ziehen kann.
  • Wer eine gegnerische Figur berührt, muss sie schlagen, wenn das möglich ist.
  • Ist die Figur losgelassen und der Zug regelgemäß, gilt er.
  • Zum Zurechtrücken vorher „ich rücke zurecht“ (oder „j’adoube“) sagen.

Die Uhr wird mit derselben Hand gedrückt, mit der gezogen wurde. Online gibt es kein „berührt – geführt“, ein Mausrutscher ist aber ebenso endgültig.

Bedenkzeiten: Turnierpartie, Schnellschach, Blitz, Bullet

Die Regeln teilen nach der Gesamtzeit je Spieler für eine Partie von 60 Zügen ein: Grundzeit + 60 × Inkrement.

Kategorie Zeit je Spieler für 60 Züge Typische Beispiele FIDE-Liste
Turnierpartie (Standard) 60 Minuten oder mehr 90 min + 30 s Standard
Schnellschach mehr als 10, weniger als 60 Minuten 15+10, 25+10 Rapid
Blitz 10 Minuten oder weniger 3+2, 5+0 Blitz
Bullet keine FIDE-Kategorie; online, meist unter 3 Minuten 1+0, 2+1 keine

Rechenbeispiele

  • 90+30: 90 + 60 × 0,5 = 120 Minuten, Turnierpartie.
  • 15+10: 15 + 60 × 10 s = 15 + 10 = 25 Minuten, Schnellschach.
  • 10+5: 10 + 5 = 15 Minuten. Schnellschach, nicht Blitz.
  • 3+2: 3 + 2 = 5 Minuten, Blitz.

Damit eine Turnierpartie Elo-gewertet wird, verlangt die FIDE-Wertungsordnung von 2024 Mindestzeiten: 120 Minuten je Spieler, wenn einer 2400 oder mehr hat, 90 Minuten, wenn einer mindestens 1800 hat, und 60 Minuten, wenn beide unter 1800 liegen.

Elo und DWZ: Wertungsgrundlagen

Die FIDE führt getrennte Listen für Standard, Schnellschach und Blitz. Wichtig aus der seit 1. März 2024 geltenden Wertungsordnung:

  • Untergrenze 1400: Eine Erstwertung braucht mindestens fünf Partien gegen gewertete Gegner und liegt bei mindestens 1400; höchstens 2200 als Startwert.
  • K-Faktor: 40 für Neueinsteiger (erste 30 Partien) und Jugendliche unter 2300 bis Ende des Jahres ihres 18. Geburtstags; 20 unter 2400; 10, sobald einmal 2400 erreicht wurde.
  • 400-Punkte-Regel: Für Spieler unter 2650 zählt ein Unterschied über 400 nur als 400.
  • Änderung je Partie = K × (Ergebnis − Erwartungswert).

Daneben gibt es die DWZ des DSB, die praktisch jede gewertete Vereins- und Mannschaftspartie erfasst und mit einem eigenen, entwicklungsabhängigen Faktor rechnet. Viele Vereinsspieler haben eine DWZ, aber (noch) keine Elo.

Elo-Beispiel

Ein Spieler mit 1600 schlägt einen mit 1800. Bei 200 Punkten Differenz beträgt der Erwartungswert des Schwächeren etwa 0,24 (FIDE-Tabelle; die Formel 1 / (1 + 10^(200/400)) ergibt 0,240). Mit K = 20:

  • Sieg: 20 × (1 − 0,24) = 15,2, also +15; der 1800er verliert 15.
  • Remis: 20 × (0,5 − 0,24) = 5,2, also +5.
  • Niederlage: 20 × (0 − 0,24) = −4,8, also −5.

Eigene Ergebnisse lassen sich mit dem Elo-Rechner durchrechnen. Für das Vereinsturnier paart die Schweizer-System-Auslosung Runde für Runde punktgleiche Spieler, wie bei den meisten Opens.

Quellen

Grundlage sind die FIDE-Schachregeln (Fassung gültig ab 1. Januar 2023, auch 2026 in Kraft) einschließlich der Anhänge A und B für Schnell- und Blitzschach sowie die FIDE-Wertungsordnung ab 1. März 2024; die 2650er-Grenze der 400-Punkte-Regel gilt seit 1. Oktober 2025. Bullet ist eine Online-Konvention. Für DWZ, Turnier- und Mannschaftsordnung gelten die Regelwerke des Deutschen Schachbunds und seiner Landesverbände.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Schnellschach und Blitz?

Nach den FIDE-Schachregeln hat jeder Spieler im Schnellschach mehr als 10 und weniger als 60 Minuten, im Blitz 10 Minuten oder weniger. Das Inkrement zählt 60-fach, deshalb ist 10+5 Schnellschach.

Ist Patt ein Sieg oder Remis?

Patt ist remis. Es liegt vor, wenn die Seite am Zug keinen regelgemäßen Zug hat und ihr König nicht im Schach steht.

Muss ich eine berührte Figur ziehen?

Ja. Wer absichtlich eine eigene Figur berührt, muss sie ziehen, sofern sie einen regelgemäßen Zug hat. Wer eine gegnerische Figur berührt, muss sie schlagen, wenn möglich. Zum Zurechtrücken vorher 'ich rücke zurecht' sagen.

Was ist der Unterschied zwischen Elo und DWZ?

Die Elo-Zahl ist die internationale FIDE-Wertung mit Untergrenze 1400. Die DWZ ist die nationale Wertungszahl des Deutschen Schachbunds; sie wird für viel mehr Turniere und Mannschaftskämpfe berechnet und nutzt eine eigene Formel.

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