Kaum ein Termin sorgt im Fußball für so viel Spannung wie eine Auslosung: Welche Gegner bekommt der eigene Klub in der Champions League, gegen wen spielt Deutschland bei der WM, welcher Kreisligist darf im DFB-Pokal gegen einen Bundesligisten antreten? Hinter jeder Ziehung steckt ein Regelwerk aus Lostöpfen, Setzliste und Einschränkungen. Dieser Ratgeber erklärt die Grundprinzipien, die aktuellen Modi von UEFA und FIFA sowie den Pokalmodus des DFB – und wie du für dein eigenes Turnier eine faire Auslosung organisierst.
Warum es Lostöpfe gibt
Würde man alle Teams in eine einzige Lostrommel werfen, könnten die beiden stärksten Mannschaften schon in derselben Gruppe landen, während eine andere Gruppe nur aus Außenseitern besteht. Lostöpfe verhindern das. Das Prinzip:
- Alle Teilnehmer werden nach einer Rangliste sortiert (Koeffizient, Weltrangliste, Vorjahresplatzierung).
- Die Rangliste wird in Töpfe gleicher Größe geteilt: die Besten in Topf 1, die nächsten in Topf 2 usw.
- Jede Gruppe erhält ein Team aus jedem Topf.
So bekommt jede Gruppe einen Favoriten und eine ähnliche Leistungsverteilung. Zusätzlich gelten fast immer Einschränkungen, etwa der Länderschutz.
Setzliste und Länderschutz
Setzen heißt, dass bestimmte Teams eine feste Position erhalten oder sich nicht früh begegnen können. Typische Einschränkungen:
- Länderschutz: Klubs aus demselben Landesverband treffen in der Gruppen- oder Ligaphase nicht aufeinander.
- Konföderationsregel: Bei Weltmeisterschaften wird verhindert, dass zu viele Teams desselben Kontinentalverbands in eine Gruppe kommen.
- Gastgeber: Ausrichter werden häufig fest in Topf 1 und einer bestimmten Gruppe platziert.
- Sicherheitsgründe: Manche Paarungen schließt die UEFA grundsätzlich aus.
Weil diese Regeln die Ziehung einschränken, kann es sein, dass für ein gezogenes Team nur noch eine Gruppe übrig bleibt. Deshalb nutzen UEFA und FIFA bei komplexen Auslosungen Software, die vorab prüft, ob die Auslosung mit jeder Ziehung noch vollständig aufgehen kann.
Champions League: Ligaphase mit 36 Teams
Seit 2024/25 spielt die Champions League keine klassischen Vierergruppen mehr, sondern eine Ligaphase mit 36 Klubs:
| Element | Regel |
|---|---|
| Töpfe | 4 Töpfe zu je 9 Teams |
| Topf 1 | Titelverteidiger plus die nach Klubkoeffizient bestplatzierten Teams |
| Töpfe 2–4 | nach Klubkoeffizient |
| Gegner | je 2 aus jedem Topf (einer zu Hause, einer auswärts) = 8 Spiele |
| Einschränkungen | kein Gegner aus dem eigenen Verband, max. 2 Gegner aus demselben anderen Verband |
| Weiterkommen | Plätze 1–8 direkt ins Achtelfinale, 9–24 in die Play-offs, 25–36 scheiden aus |
Die Auslosung läuft softwaregestützt: Ein Team wird per Hand gezogen, die acht Gegner ermittelt dann ein Computerprogramm unter Beachtung aller Einschränkungen. Wie bei Punktgleichheit in der Ligaphase entschieden wird, erklärt unser Ratgeber Tordifferenz und direkter Vergleich.
WM 2026: 48 Teams in 12 Gruppen
Die Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA ist die erste mit 48 Teilnehmern. Die Endrunden-Auslosung fand am 5. Dezember 2025 in Washington, D.C. statt:
- 4 Töpfe zu je 12 Teams, gebildet nach der FIFA-Weltrangliste.
- Die drei Gastgeber waren fest in Topf 1 gesetzt.
- Pro Gruppe höchstens ein Team je Konföderation – mit Ausnahme der UEFA, die 16 Teilnehmer stellt: Hier sind bis zu zwei europäische Teams pro Gruppe möglich.
- Die beiden bestplatzierten Teams der Weltrangliste wurden so verteilt, dass sie sich als Gruppensieger erst im Finale begegnen können.
Aus jeder Vierergruppe kommen die zwei Besten sowie die acht besten Gruppendritten weiter – so entsteht eine K.-o.-Runde mit 32 Teams.
DFB-Pokal: zwei Töpfe und Heimrecht für Amateure
Der DFB-Pokal startet mit 64 Mannschaften: den Klubs aus Bundesliga und 2. Bundesliga, den bestplatzierten Teams der 3. Liga und den Landespokalsiegern. In der ersten Runde wird aus zwei Töpfen gelost – einem Amateurtopf und einem Profitopf –, sodass jeder Amateurverein einen Profiklub zugelost bekommt. Wer klassentiefer spielt, erhält gegen einen Profiklub Heimrecht. Genau daraus entstehen die Pokalgeschichten, die den Wettbewerb so beliebt machen. Ab der zweiten Runde wird in der Regel aus einem gemeinsamen Topf gelost; die Einzelheiten regelt die DFB-Durchführungsbestimmung der jeweiligen Saison.
K.-o.-Turnierbaum: Setzliste und Freilose
Bei reinen K.-o.-Turnieren entscheidet die Setzliste, wo ein Team im Turnierbaum steht. Das Standardschema bei 16 Teilnehmern:
| Achtelfinale | Paarung |
|---|---|
| Spiel 1 | 1 – 16 |
| Spiel 2 | 8 – 9 |
| Spiel 3 | 5 – 12 |
| Spiel 4 | 4 – 13 |
| Spiel 5 | 3 – 14 |
| Spiel 6 | 6 – 11 |
| Spiel 7 | 7 – 10 |
| Spiel 8 | 2 – 15 |
Die Summe der Setzplätze ergibt immer 17. Setzplatz 1 und 2 stehen in verschiedenen Hälften und können sich frühestens im Finale treffen, die Plätze 1 bis 4 frühestens im Halbfinale.
Freilose entstehen, wenn die Teilnehmerzahl keine Zweierpotenz (4, 8, 16, 32 …) ist. Bei 12 Teams braucht es einen 16er-Baum mit vier Freilosen; diese erhalten die Setzplätze 1 bis 4. So spielen in der ersten Runde nur acht Teams, und danach sind es genau acht im Viertelfinale.
Mit unserem Turnierbaum-Generator lassen sich Setzliste und Freilose automatisch berechnen.
Eine eigene Auslosung organisieren
Für Vereinsturniere, Firmencups oder die Hallenrunde gilt: Je transparenter die Auslosung, desto weniger Diskussionen gibt es hinterher.
- Rangliste festlegen: z. B. Vorjahresplatzierung oder Spielklasse.
- Töpfe bilden: Anzahl der Töpfe = Teams pro Gruppe; Anzahl der Teams pro Topf = Anzahl der Gruppen.
- Einschränkungen notieren: etwa „zwei Mannschaften desselben Vereins nicht in eine Gruppe“.
- Ziehen: Topf für Topf, jeweils eine Gruppe nach der anderen auffüllen. Unsere Gruppenauslosung erledigt die Ziehung aus Töpfen in Sekunden.
- Spielplan erstellen: Nach der Auslosung erzeugt das Spielplan-Tool die Partien jeder Gruppe.
Die Auslosung ist nur der erste Schritt – aber der, an den sich am Ende alle erinnern, wenn das Los zwei Favoriten früh zusammengeführt hat.